Spielberichte 2011


SMM 1-11: Neues Spiel, neues Glück

In der ersten Runde der Schweizerischen Mannschaftsmeisterschaft bekamen es die Rheintaler Schachcracks mit Aufsteiger Bodan II zu tun. Der Wettkampf stand lange Zeit auf des Messers Schneide; erst in der vierten Spielstunde konnten sich die einheimischen Spieler durchsetzen.

Für Kurt Kaufmann war die Partie schon zu Ende, ehe sie richtig begonnen hatte. Nach einem Schnitzer im 12. Zug fiel er einem taktischen Überfall zum Opfer. Der schwarze Königsflügel wurde völlig demoliert. Schrecklich – oder traumhaft, je nachdem auf welcher Seite man steht. Auch Gernot Hämmerle hatte nicht seinen besten Tag. Er beschritt in der Eröffnung neue Wege, die sich jedoch nicht als empfehlenswert erwiesen und in eine Sackgasse führten. Die strukturellen Defizite wurden mit jedem Zug grösser und nach dem Tausch der Damen kämpfte der Draufgänger bereits für eine verlorene Sache.

Zum Glück konnten Peter Maier und Ruedi Affeltranger den Gleichstand postwendend wieder herstellen. Peter Maier knöpfte Hubert Zwick schon früh zwei Bauern ab. In Anbetracht seiner desolaten Stellung wollte sich der Thurgauer den Rest nicht mehr zeigen lassen und gab sofort auf. Ruedi Affeltranger profitierte von einem Überlegungsfehler seines Gegners; in bereits kritischer Lage stellte Jochen Ringelsiep kompensationslos einen Springer ein.


Erwin Frei (rechts) hat alles unter Kontrolle, während sich auf der Denkerstirn von Gernot Hämmerle schon erste Sorgenfalten bemerkbar machen. Hinten im Bild Matchwinner Rainer Bezler.


Partieverlust durch Zeitüberschreitung

Am fünften Brett schaffte es Robert Sandholzer nicht, die schwarze Festung ins Wanken zu bringen. Michael Norgauer konnte alle Angriffe erfolgreich abwehren, verbrauchte dazu aber sehr viel Bedenkzeit und überschritt im 34. Zug die Zeitlimite. Joker Erwin Frei zeigte eine solide Leistung und drückte mit allen Schwerfiguren auf die weisse Königsstellung. Doch Marcel Marentini durchschaute alle Drohungen, sodass die Partie nach 30 Zügen in ein Remis durch Zugswiederholung mündete. Zum gleichen Ergebnis kamen Sandro Schmid und Klaus Monteforte. Der Mannschaftsleiter der Rheintaler lehnte zunächst ein Friedensangebot ab, konnte aber keine nennenswerten Fortschritte erzielen und willigte nach viereinhalb Stunden ins Remis ein.

Zum Matchwinner wurde einmal mehr Rainer Bezler, der das Spitzenbrett gegen den Elo-Riesen Dieter Knödler verteidigte. Angesichts der Wertungszahlen – 2227 gegen 2350 Ratingpunkte – waren die Rollen klar verteilt. Doch der Favorit konnte seine theoretische Überlegenheit auf dem Brett nicht umsetzen. Ein weiteres Remis schien sich schon anzubahnen, da öffnete Dieter Knödler übermütig die Königsstellung. Darauf hatte der Rheintaler nur gewartet. Mit Dame, Läufer und Springer nahm er den schwarzen König ins Visier und zerrte ihn aus seinem Schlupfwinkel.

Rheintal I - Bodan Kreuzlingen II 5:3

Rainer Bezler - Dieter Knödler 1:0, Sandro Schmid - Klaus Monteforte ½:½, Gernot Hämmerle - Stephan Fessler 0:1, Erwin Frei - Marcel Marentini ½:½, Robert Sandholzer - Michael Norgauer 1:0, Ruedi Affeltranger - Jochen Ringelsiep 1:0, Peter Maier - Hubert Zwick 1:0, Kurt Kaufmann - Kai Jehnichen 0:1


SMM 2-11: Gerechtes Unentschieden

In der zweiten Runde der Schweizerischen Mannschaftsmeisterschaft spielte der Schachclub Rheintal gegen Herrliberg I unentschieden 4:4. Insgeheim hatten sich die Rheintaler Schachstrategen aber mehr erhofft.

Mit dem Ablehnen eines Remisangebots ist es so eine Sache. Man übernimmt die moralische Verpflichtung, auf Sieg zu spielen und erhöhte Risiken einzugehen. Auf der anderen Seite fühlt sich der Kontrahent in seiner Schachehre angegriffen und nimmt eine Jetzt-erst-recht-Stellung ein. Manch einer hat es schon bitter bereut, dass er ein Friedensangebot ausgeschlagen hat. Diese Gedanken gingen Sandro Schmid durch den Kopf, als ihm Tamas Erdelyi bei vollem Brett die Punkteteilung offerierte. Lieber den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach, dachte sich Sandro Schmid und willigte in den Vorschlag ein. Wenig später wiederholte sich dieses Ritual am fünften Brett. „Remis?“, liess sich Hansjörg Ili von der anderen Tischseite her vernehmen. „Remis!“ war prompt die Antwort von Peter Maier.

Viermal unentschieden

Wesentlich länger balgten sich Kurt Kaufmann und Walter Zollinger herum. Keine Seite konnte nennenswerte Fortschritte erzielen und bei absolut gleicher Materialverteilung war der Friedensschluss kurz nach der Zeitkontrolle unumgänglich. Einen spannenden Kampf lieferten sich Robert Sandholzer und Thomas Kuhn. Robert trug einen stürmischen Angriff gegen den weissen König vor. Um der schwarzen Initiative Einhalt zu gebieten, musste der Zürcher einen Springer opfern. Er erhielt dafür allerdings drei verbundene Mehrbauern, die im Endspiel höher zu werten sind als die Figur. Doch soweit liess es Robert nicht kommen. Mit seiner Dame bot der dem weissen König unaufhörlich Schach – Remis Nummer vier.

Pleiten, Pech und Pannen

Obwohl Ruedi Affeltranger die weissen Figuren führte, diktierte der Gegner das Spiel. Zwar war die Materialbilanz mit beiden Türmen gegen die Dame ungefähr ausgeglichen, doch seine Figuren harmonierten überhaupt nicht miteinander. Die schwarzen Streitkräfte hingegen waren alle gegen den weissen König gerichtet, der sich im 27. Zug der Festnahme nicht mehr entziehen konnte.

Ein sicherer Wert im Rheintaler Team ist Günter Amann. Mit seiner Kavallerie ritt er eine scharfe Attacke gegen den weissen Königsflügel. Um seine Dame zu retten, hätte Arnold Torricelli mindestens zwei Bauern hergeben müssen. Stattdessen zog er es vor, sofort die Waffen zu strecken. Doch der Ausgleich dauerte nicht lange.

Man kann Gernot Hämmerle wirklich nicht vorwerfen, er wäre ein Materialist. Keiner opfert so viele Figuren wie er. Manchmal würde man sich aber doch wünschen, er ginge mit seinem Material etwas geiziger um. Er hatte Marcel Bodmer praktisch schon überspielt, da liess er in voller Absicht einen Turm einstehen. Der Zürcher wehrte die ungestümen Angriffsversuche souverän ab und landete in einem Endspiel mit entscheidendem Materialvorteil.

Eine schöne positionelle Leistung zeigte Rainer Bezler am zweiten Brett. Sein Läuferpaar garantierte ihm ein dauerhaftes Übergewicht. Bis zum Sieg wäre es aber noch ein hartes Stück Arbeit gewesen. Zum Glück verkürzte Rodrigo Meier die Angelegenheit radikal, indem er mit seinem Läufer in eine tödliche Fesselung tappte. So konnte Mannschaftsleiter Sandro Schmid nach knapp fünf Stunden Spielzeit doch noch das rettende 4:4 in das Wettkampf-Formular eintragen.

Herrliberg I - Rheintal I 4:4

Arnold Torricelli - Günter Amann 0:1, Rodrigo Meier - Rainer Bezler 0:1, Thomas Kuhn - Robert Sandholzer ½:½, Tamas Erdely - Sandro Schmid ½:½, Hansjörg Illi - Peter Maier ½:½, Marcel Bodmer - Gernot Hämmerle 1:0, Walter Zollinger - Kurt Kaufmann ½:½, Paul Remensberger - Ruedi Affeltranger 1:0


SMM 3-11: Schachclub Rheintal im Hoch

Seit der dritten Runde der Schweizerischen Mannschaftsmeisterschaft wissen die Schachfreunde aus der Innerschweiz, was ein Rheintaler Föhnsturm ist. In Berneck wurden sie mit 7:1 Punkten von den Brettern gefegt.

Eröffnet wurde das Schützenfest von Klaus Doskocil. Nach einem Figurenverlust im 16. Zug verlor sein Gegner die Lust, die hoffnungslose Partie zu Ende zu spielen. Am Spitzenbrett lehnte Rico Zanga ein Friedensangebot von Peter Wahl zu Recht ab. Der ständig wachsende Druck gegen den im Zentrum stecken gebliebenen König führte beim Nachziehenden zu einer Panikreaktion und zum baldigen Matt.

Peter gegen Peter

Robert Sandholzer bestrafte die nachlässige Eröffnungsbehandlung von Mathias Knobel mit zwei frühen Bauerngewinnen. Als der Schwyzer im 17. Zug das Handtuch werfen musste, befand sich die Hälfte seiner Figuren noch in den Startlöchern. Ein packendes Duell lieferten sich die beiden Namensvettern Peter Maier und Peter Christen. Der einheimische Peter kämpfte nicht nur gegen einen starken Gegner, sondern auch noch gegen die schwindende Bedenkzeit. In weniger als zwei Minuten musste er noch ein Dutzend Züge ausführen, und das in einer heiklen Stellung. Doch Peter Meier spulte seine Züge in stoischer Ruhe herunter und jubelte Peter Christen im 43. Zug den „Schwarzpeter“ unter.

Ungestüme Angriffe

„Turmendspiele sind immer remis“, so lautet ein Zitat von Siegbert Tarrasch (1862-1934). Von dieser Theorie wollte Ruedi Affeltranger allerdings nichts wissen. Er knetete das Turmendspiel mit zwei gegen einen Bauern bis zum 67. Zug und stellte die These des deutschen Arztes und Schachgrossmeisters mit einem einwandfreien Sieg in Frage.

Die nächste Entscheidung fiel am dritten Brett. Nach einigem Hin und Her konnte Rainer Bezler einen Läufer einsacken, wonach der Rest nicht mehr schwer war. Der siebte und letzte Streich ging auf das Konto von Marcel Schneider. Nachdem er die ungestümen Angriffe von Daniel Zangger souverän abgewehrt hatte, ging er zum Gegenangriff über. Mit einem subtilen Springerzug kurz vor der ersten Zeitkontrolle leitete er einen unparierbaren Mattangriff ein.

Felle schwammen davon

Der einzige Rheintaler, der mit der Niederlage Bekanntschaft machen musste, war Erwin Frei. Dabei hatte er die Partie gegen Bruno Fankhauser über weite Strecken dominiert. Sein Springeropfer gegen drei starke Freibauern war absolut korrekt. Leider fand er unter Zeitdruck nicht immer die besten Züge, sodass er am Ende doch noch kapitulieren musste. Eine ärgerliche Niederlage aus Sicht des Rheintalers, aber mannschaftstechnisch fiel sie nicht mehr ins Gewicht – und für die Gäste wäre es gewiss kein angenehmes Gefühl gewesen, mit einer 8:0-Packung die Heimreise antreten zu müssen.

Rheintal I - March-Höfe I 7:1

Rico Zanga - Peter Wahl 1:0, Rainer Bezler - Hans Jost 1:0, Klaus Doskocil - Stefan Molinari 1:0, Erwin Frei - Bruno Fankhauser 0:1, Robert Sandholzer - Mathias Knobel 1:0, Peter Maier - Peter Christen 1:0, Ruedi Affeltranger - Patrick Kaufmann 1:0, Marcel Schneider - Daniel Zangger 1:0


SMM 4-11: Rheintaler behielten die Oberhand

In der vierten Runde der Schweizerischen Mannschaftsmeisterschaft musste der Schachclub Rheintal auf mehrere Stammkräfte verzichten. Aufsteiger Buchs hingegen konnte in Bestbesetzung antreten, sodass der Ausgang des Derbys völlig offen war.

Nach knapp zwei Stunden einigten sich Peter Maier und Oliver Rotfuss bei vollem Brett auf ein Unentschieden. Am Brettrand standen erst zwei geschlagene Bauern. Wesentlich hitziger ging es zwischen Carlos Quintero und Robert Sandholzer zu und her. Es gelang jedoch keiner Seite, den Gegner aus dem Sattel zu heben, und so reichte man sich nach 26 Zügen auch hier die Hände. Ruedi Affeltranger erzielte ebenfalls ein Remis, musste dabei allerdings das Glück des Tüchtigen in Anspruch nehmen. Sein Gegner hatte eine Figur geopfert und den weissen König in höchste Bedrängnis gebracht. Anstatt den Angriff konsequent weiterzuführen, begnügte er sich mit einem Dauerschach. Die Rheintaler waren über diesen Halben heilfroh und konnten optimistisch in die Zukunft blicken, zumal an den restlichen Brettern keine grösseren Probleme auszumachen waren.

Perfektionist Rico Zanga

Rico Zanga ist ein ordentlicher Mensch. Jeder Zug wird zusammen mit der verbrauchten Bedenkzeit fein säuberlich ins Notizbuch übertragen. Auch seine Partien bewegen sich eher in ruhigen, positionellen Bahnen. Aber wenn es dann scheppert, dann scheppert es richtig. Im 27. Zug entzündete er ein kombinatorisches Feuerwerk und stellte Silvan Huber vor die unangenehme Wahl, sich von der Dame zu trennen oder gleich matt zu gehen. Auch Rainer Bezler bot einmal mehr eine souveräne Vorstellung. Nach einem frühen Qualitätsgewinn trieb er seinen freien d-Bauern soweit nach vorne, bis Philipp Scheffknecht die Luft ausging.

Doppelter Reinfall

Beim Stande von 1½:3½ Punkten sollte man eigentlich Entwarnung geben können, doch es wurde noch einmal spannend. Sowohl Kurt Kaufmann als auch Marcel Schneider zogen einen rabenschwarzen Tag ein. Beide hatten das Unentschieden gegen ihre rund 100 Elo-Punkte schwereren Gegner schon auf sicher, schafften es dann aber doch noch, sich selbst um die Früchte ihrer Arbeit zu bringen. Ohne Not verhalfen sie den weissen Königen zu entscheidenden Einbruchsfeldern.

Nun hing alles von der letzten noch verbliebenen Partie ab. Falls es Sandro Schmid gelingen würde, Guido Neuberger den ganzen Punkt abzuringen, wäre alles im Lot, ansonsten... Der Mannschaftsleiter der Rheintaler setzte sich mächtig ins Zeug, überstand die heikle Zeitnotphase ohne Schaden und verbesserte seine Position Zug um Zug. Guido Neuberger wehrte sich verbissen, doch der Rheintaler liess nicht locker und nach 70 Zügen und gut fünf Stunden Spieldauer war der wichtige Punkt im Trockenen.

Buchs SG I - Rheintal I 3½:4½

Philipp Scheffknecht - Rainer Bezler 0:1, Guido Neuberger - Sandro Schmid 0:1, Carlos Quintero - Robert Sandholzer ½:½, Oliver Rotfuss - Peter Maier ½:½, Hans-Uwe Kock - Marcel Schneider 1:0, Silvan Huber - Rico Zanga 0:1, Hans Göldi - Kurt Kaufmann 1:0, Wolfram Riener - Ruedi Affeltranger ½:½


SMM 5-11: Der Schachmotor geriet ins Stottern

Seit August 2009 hatten die Rheintaler Schachcracks keinen einzigen Wettkampf mehr verloren. Nun müssen sie sich mit einer ärgerlichen, weil unnötigen Niederlage in die Sommerpause verabschieden.

Der Wettkampf gegen Pfäffikon ZH begann denkbar schlecht. Gernot Hämmerle sündigte in der Eröffnung und schon bald war die schwarze Königsstellung offen wie ein Scheunentor. Andreas Scheidegger liess sich nicht zweimal bitten und marschierte hinein. „Weniger Figuren, weniger Sorgen“, dachte sich Ruedi Affeltranger und tauschte guten Mutes die Damen. Das war eine Fehlentscheidung. Obwohl die Stellung materiell ausgeglichen war, konnte Ruedi die Niederlage nicht mehr abwenden.

Bilderbuchpartie

Nach diesem Doppelschlag stellte sich endlich ein kleines Zwischenhoch ein. Günter Amann spielte eine herrliche Angriffspartie. Wie ein Hürdenläufer sprintete der weisse e-Bauer übers Brett und verwandelte sich im 24. Zug in eine Dame. Fünf Züge später gab es für den schwarzen König kein Entrinnen mehr. Das einzige Remis kam am dritten Brett zustande. Robert Sandholzer hatte einen Mehrbauern ergattert, sich im Gegenzug aber eine minderwertige Bauernstruktur eingehandelt. Um nicht in Nachteil zu geraten, musste er nach dreieinhalb Stunden die Züge wiederholen.


Was schief gehen konnte, ging schief. Marcel Schneider (links), Ruedi Affeltranger (rechts) und Gernot Hämmerle (hinten mitte) holten zusammen genau null Punkte.


Sechs Stunden Kampf

Erwin Frei war seinem renommierten Gegner (Elo 2256) über weite Strecken ebenbürtig. Leider liess er sich unter Zeitdruck zu einem fragwürdigen Bauernvorstoss verleiten, sodass sich der Favorit doch noch durchsetzen konnte. Als dann auch noch Marcel Schneider ein durchaus haltbares Turmendspiel verpatzte, war der Wettkampf gelaufen. Dessen ungeachtet legten sich Klaus Doskocil und Sandro Schmid mächtig ins Zeug. Klaus war kurz vor dem Grounding gestanden, kämpfte sich aber mit eisernem Willen zurück ins Spiel und setzte den verblüfften Gegner im 92. Zug trotz ausgeglichener Materialbilanz matt.

Am längsten musste wie so oft Sandro Schmid am Brett zubringen. Er hatte in der Eröffnung einen Bauern erobert, bis zum Sieg war es aber noch ein steiniger Weg. Gerade in der letzten Phase einer gewonnen geglaubten Partie geschehen manchmal abenteuerliche Dinge. Doch Sandro war auf der Hut und quetschte nach knapp sechsstündigem Kampf den vollen Punkt aus Fabian Lang heraus.

Rheintal II steigt auf

Für die zweite Mannschaft ist die Meisterschaft bereits zu Ende. Nach einer Niederlage in der Startrunde hat das Team um Mannschaftsleiter Pius Steiger alle Begegnungen gewonnen und sich den Gruppensieg in der 4. Liga, Ost 1, gesichert. Grossen Anteil am Erfolg hatte Kurt Lesjak, der sich gleich bei seiner ersten Teilnahme zum eifrigsten Punktesammler mauserte und viereinhalb Punkte aus 5 Partien einsackte. Aber auch die Leistungen der übrigen Spieler dürfen sich sehen lassen: Cédric Rohner 3,5/5, Franz Roscher 3/4, Pius Steiger 2,5/3, Mario Milo 2,5/5, Benjamin Rohner 2/3, Céline Rohner 1/2.

Rheintal I - Pfäffikon ZH I 3½:4½

Günter Amann - Bernhard Schärer 1:0, Erwin Frei - Patrik Hugentobler 0:1, Robert Sandholzer - Stefan Wanner ½:½, Sandro Schmid - Fabian Lang 1:0, Klaus Doskocil - Christian Mäder 1:0, Gernot Hämmerle - Andreas Scheidegger 0:1, Ruedi Affeltranger - Thomas Mülli 0:1, Marcel Schneider - Thomas Künzli 0:1


SMM 6-11: Schächler erlitten Schiffbruch

In der 6. und zweitletzten Runde der Schweizerischen Mannschaftsmeisterschaft gab es für die Rheintaler Schachstrategen ein böses Erwachen. Nach der knappen Niederlage gegen Winterthur III können sie sich nicht mehr aus eigener Kraft für das Aufstiegsspiel qualifizieren.

Die Spielstärke eines Turnierspielers wird in Elo-Punkten gemessen. Entwickelt wurde das System vom ungarischen Physikprofessor Arpad Elo (1903 - 1992). Die Skala reicht von 1000 Punkten (Anfänger) bis knapp über 2800 Punkte (Weltmeister). Zwischen Rainer Bezler und Bruno Saxer klaffte eine Elo-Differenz von sage und schreibe 561 Punkten. Eine klare Sache, würde man meinen. War es zunächst auch. Rainer eroberte mühelos Springer und Bauer. Er hatte die Partie im Geiste schon abgehakt, da geriet er mit dem König in eine fatale Fesselung. Wie der Frosch im Milchkrug strampelte er sich mit grosser Beharrlichkeit wieder frei, zu mehr als einem Remis reichte es aber nicht mehr.

Blitze aus heiterem Himmel

Auch an den Brettern sieben und acht waren die Gewichte relativ einseitig verteilt, nur dass hier die Rheintaler als Fliegengewichte auftraten. Zunächst waren Kurt Kaufmann und Bruno Spälti recht gut unterwegs, doch dann liessen sie eine Kleinigkeit ausser Acht und schon schlug der Blitz fast zeitgleich auf beiden Brettern ein. Für ein „J'adoube“ war es bereits zu spät. Endlich baute sich an den mittleren Brettern ein kleines Zwischenhoch auf. Robert Sandholzer zerrte den schwarzen König aus seinem Schlupfwinkel und beendete die Partie mit einem flotten Mattangriff. Besonders schön und spektakulär war der Sieg von Peter Maier. Mit einem Springeropfer bahnte er sich den Weg zum schwarzen König frei und blies zum grossen Halali.

Missglückter Einstand

Doch die Aufhellungen waren von kurzer Dauer. Ruedi Affeltranger erhielt keine ausreichende Kompensation für den geopferten Bauern und musste sich im 50. Zug geschlagen geben. Fabian Matt vertrat zum ersten Mal die Farben des Schachclubs Rheintal. Doch so hatte er sich das Debüt bestimmt nicht vorgestellt. René Hirzel zog die Schlinge um den schwarzen König immer enger. Um dem Matt zu entrinnen, musste Fabian im 34. Zug die Dame für zwei Leichtfiguren hergeben. Wenig später war endgültig Lichterlöschen.

Der Wettkampf war für die Gastgeber zu diesem Zeitpunkt bereits verloren. Das konnte Mannschaftsleiter Sandro Schmid aber nicht davon abhalten, seine Partie mit aller Entschlossenheit zu Ende zu führen. Im Mittelspiel hatte er Springer und Läufer für den Turm gewonnen, bis zum Sieg war es aber noch ein hartes Stück Arbeit. Erst in der siebten Spielstunde konnte er den Widerstand von Horst Zesiger brechen und für sich persönlich einen positiven Schlusspunkt setzen. Für die Mannschaft hatte es wieder einmal nicht ganz gereicht.

Rheintal I - Winterthur III 3½:4½

Rainer Bezler - Bruno Saxer ½:½, Fabian Matt - René Hirzel 0:1, Robert Sandholzer - Raphael Golder 1:0, Sandro Schmid - Horst Zesiger 1:0, Peter Maier - Manuel Sprenger 1:0, Ruedi Affeltranger - Nino Wilkins 0:1, Kurt Kaufmann - Stefan Zollinger 0:1, Bruno Spälti - Claudio Gloor 0:1


SMM 7-11: Unentschieden gegen den Leader

Die Würfel sind gefallen. Der Schachclub Rheintal schliesst die Meisterschaft auf dem vierten Schlussrang ab. In den sauren Apfel beissen müssen Buchs SG und Herrliberg.

St. Gallen hatte den Gruppensieg schon vor der Schlussrunde auf sicher. Wer aber spekuliert hatte, die Städter würden mit der zweiten Garnitur antreten, täuschte sich gewaltig. Beide Seiten mobilisierten noch einmal alle Kräfte und schenkten einander nichts. Das einzige friedliche an diesem Wettkampf war das Schlussergebnis.

Kesses Damenopfer

Am fünften Brett lief der sonst so sorgfältig agierende Robert Sandholzer in einen taktischen Hammer. Er war recht gut aus der Eröffnung gekommen, erlaubte dann aber seinem Gegner durch einen sorglosen Zug ein zerstörerisches Springeropfer auf f7. Königsstellung, Turm und Partie waren augenblicklich dahin. Eine starke Leistung zeigte einmal mehr Günter Amann. Er opferte zwei Bauern, um mit dem Turm in die schwarze Stellung eindringen zu können, anschliessend folgte ein herrliches Damenopfer, wonach auch noch der zweite Turm mit Schach die siebte Reihe betrat. Unterstützt von einem übermütigen Springer setzten die beiden Türme in wenigen Zügen matt.

Am vierten Brett konnte keine Seite nennenswerte Fortschritte machen, sodass sich Klaus Doskocil und Peter Klings bald einmal die Notationsformulare zuschoben, um das Remis zu besiegeln. Auch am achten Brett wurde der Punkt geteilt, allerdings auf ganz andere Weise. Das erste Remisangebot von Halid Redzepi lehnte Gernot Hämmerle noch ab. Beim zweiten Mal hatte der Rheintaler nur noch gut eine Minute für über 20 Züge auf der Uhr. Trotzdem willigte der Kampfhahn erst ins Remis ein, als ihm der Mannschaftsleiter gut zuredete.


Günter Amann krönte seine Partie mit einem phantastischen Damenopfer.


Die Kraft des Läuferpaares

Viele Meister trennen sich nur ungern vom Läuferpaar. Max Euwe, Schachweltmeister von 1935 - 1937, prägte den Satz: Wer die Läufer hat, hat die Zukunft. Und eben diesen Trumpf besass Peter Maier gegen Christian Salerno. Seine Läufer lähmten die gegnerischen Kräfte und verhalfen den Bauern zum Durchbruch. Wie recht der Holländer doch hatte. Die Retourkutsche liess indessen nicht lange auf sich warten. Rainer Bezler hatte einen schweren Stand. Seine Figuren klebten wie Ölsardinen am Brettrand. Luca Kessler musste nicht lange nach dem Dosenöffner suchen und arretierte zielstrebig den schwarzen König, dessen Gattin sich auf g3 verlaufen hatte.

Am ersten Brett gab Milan Novkovic, seines Zeichens internationaler Schachmeister und diplomierter A-Trainer, den Tarif durch. Fabian Matt wehrte sich nach Kräften, nach mehr als fünfstündiger Abwehrschlacht musste er aber doch die Überlegenheit des Routiniers anerkennen.

Sandro Schmid musste es richten

Die bessere Hälfte von Milan, Julia Novkovic, führt ebenfalls eine scharfe Klinge und hat wie ihr Mann das Schachtrainer-Diplom erworben. Ausgerechnet gegen diese wehrhafte Dame sollte Sandro Schmid die Kohlen aus dem Feuer holen. Er ging ohne Umschweife auf den unrochierten König los, biss aber auf Granit. Eigentlich darf eine Partie nicht länger als sechs Stunden dauern, doch diese bildete eine Ausnahme. In der Zeitnotphase mussten beide Seiten etwa ein Dutzend Züge in wenigen Sekunden herunterspulen. Bevor die Partie fortgesetzt werden konnte, musste sie auf einem Nebenbrett von A - Z nachgespielt werden. Die Rekonstruktion förderte ein ausgeglichenes Turm-Läufer-Endspiel zutage, das der Rheintaler Mannschaftskapitän nach langem und geduldigem Lavieren doch noch zum Sieg kneten konnte.

St. Gallen I - Rheintal I 4:4

Milan Novkovic - Fabian Matt 1:0, Martin Leutwyler - Günter Amann 0:1, Luca Kessler - Rainer Bezler 1:0, Peter Klings - Klaus Doskocil ½:½, Jürg Jenal - Robert Sandholzer 1:0, Julia Novkovic - Sandro Schmid 0:1, Christian Salerno - Peter Maier 0:1, Halit Redzepi - Gernot Hämmerle ½:½

Schlussrangliste nach 7 Runden:

1.St. Gallen1239
2.Winterthur III1129,5
3.Pfäffikon/ZH1031,5
4.Rheintal831,5
5.Bodan II526
6.March-Höfe422
7.Buchs324
8.Herrliberg320,5


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